Blog – Mentale Stärke durch Selbstvertrauen


- wie kann ich als Trainer*in meine Sportler*innen unterstützen? (Teil 1)

Sportpsycholog*innen oder Sport Mentaltrainer*innen im Trainerteam zu haben ist (leider noch) ein Privileg und auch privat hat nicht jede*r Sportler*in Zugang zu einer umfassenden sportpsychologischen Begleitung oder kann sich diese leisten. Selbst wenn aber sportpsychologisch unterstützt wird, ist es dennoch von großer Bedeutung, dass auch Trainer und Trainerinnen mit einem gewissen psychologischen Basiswissen vertraut sind – denn letztendlich sind sie es, die die meiste Zeit mit den Sportler*innen verbringenDadurch haben sie auch einen sehr großen Einfluss, welcher natürlich auch eine gewisse Verantwortung – neben Technik & Taktikvermittlung –  mit sich bringt. 
Auf Grundlage meines 3-stufigen Pyramidenprinzips, welches die Leitstruktur für meine Coachings mit Nachwuchssportler*innen ist, unterstütze ich auch Trainer*innen mit Methoden und Strategien, um die mentale Stärke ihrer Schützlinge gezielt zu fördern. Dafür benötigt es für den Start – für Stufe 1 – keinen großen zeitlichen Mehraufwand. Es benötigt vor allem Bewusstsein für die eigenen Worte, eine Offenheit zur (Selbst-)Reflexion und gegebenenfalls Adaptierung des eigenen Umgangs mit den Sportler*innen. 
 
Der erste Teil meines 3-stufigen Pyramidenprinzipis zum Ausbau mentaler Stärke in meinen Coaching mit Nachwuchssportler*innen ist die Entdeckung der eigenen Ressourcen.
  • Wer bin ich als Sportler*in?
  • Was sind meine Erfolgseigenschaften?
  • Was habe ich alles schon erreicht?
  • Aus welchen Erfahrungen kann ich Kraft schöpfen?

Kurz gesagt: Die eigenen Stärken entdecken und stärken!
Aus folgendem Grund: 
Die Basis, um mit Hilfe von sportpsychologischen Techniken, eine nachhaltige mentale Stärke zielführend aufzubauen, ist ein gutes Selbstvertrauen. Es ist nicht zielführend – sogar kontraproduktiv -, wenn Sportler*innen beispielsweise Zielbilder oder Bewegungsabläufe visualisieren – diese aber Zweifel hegen, ob es wirklich so kommen wird. Die aufkommenden negativen Gefühle werden mit den visualisierten Bildern verknüpft und im Unterbewusstsein abgespeichert. Damit die mentalen Techniken jedoch mit positiven Gefühlen verknüpft und abgespeichert werden – um sie im entscheidenden Moment automatisch für den persönlichen Erfolg aktivieren zu können –  ist der Hintergrund, wieso der Aufbau eines guten Selbstvertrauen an erster Stelle steht. 
 

Wie kannst du als Trainer*in hierbei unterstützend sein?
Wie kannst du das Selbstvertrauen – als Basis für mentale Stärke – deiner Sportler*innen stärken?

Die Basisfrage: Wer steht vor dir? Welche Persönlichkeitseigenschaften bringen deine Sportler*innen mit?
Um deine Sportler*innen im Aufbau ihres Selbstvertrauens zu fördern, solltest du mit ihren individuellen Persönlichkeitseigenschaften vertraut sein.
Welche Eigenschaften charakterisieren deine Sportler*innen?

Folgende oder ähnliche Situationen kennst du bestimmt:
  • Sportler*in X behält die Nerven beim entscheidenden Elfmeter, während Sportler*in Y die Nerven verliert und daneben schießt. 
  • Beim Gedanken an die anspruchsvollen Leistungsziele versprühen nicht alle Spieler*innen einer Mannschaft die gleiche Begeisterung.
  • Sportler*in X reagiert eher auf emotionale Worte, während Sportler*in eher rational veranlagt ist.
  • Sportler*in X sucht vor einem Wettkampf die Ruhe, während Sportler*in Y den sozialen Kontakt benötigt. 

Jeder Mensch und somit auch jede*r Sportler*in ist individuell. Somit kann es sein, dass zwei Sportler*innen auf die ein und die selbe Aussage oder Situation (komplett) unterschiedlich reagieren. Für Sportler*in X kann es eine Stärkung des Selbstvertrauens bewirken. Für Sportler*in Y kann es zu Selbstzweifeln kommen. Umso genauer du die einzelnen Persönlichkeiten deiner Sportler*innen 
kennst, umso besser.
Denn: Unterschiedliche Persönlichkeiten benötigen zum Teil auch einen unterschiedlichen Umgang mit den Sportler*innen – durch dich als Trainer*in – v.a. in Einzelansprachen- & gesprächen, um eine positive, stärkende und letztendlich leistungsfördernde Wirkung zu erzielen.
STÄRKUNG DES SELBSTVERTRAUENS DURCH INDIVIDUELLE ANSPRACHE!
 
Was für Sportler*in X Selbstvertrauen fördernd ist, kann für Sportler*in Selbstzweifel verstärken!
Es gibt durchaus Sportler*innen, die einen gewissen Druck benötigen. Es gibt auch Sportler*innen, welchen klar und deutlich aufgezeigt werden muss, was alles auf dem Spiel steht, wenn die Leistungsfähigkeit nicht abgerufen wird – erst dann erwacht ihr Kampfgeist. Es gibt aber auch viele Sportler*innen, deren Selbstzweifel sich durch solch konkrete Aussagen erhöhen können. Diese benötigen einen sensibleren Zugang.
 
Wie finde ich die Persönlichkeitseigenschaften meiner Sportler*innen heraus?
Nicht jede*r Sportler*in muss einen ausführlichen Persönlichkeitstest durchlaufen, um dir als Trainer*in die individuellen Persönlichkeitseigenschaften zu entschlüßeln. Durch Beobachtung und auch durch Erfahrungen aus der Vergangenheit können Trainer*innen ihre Schützlinge meist sehr gut „einordnen“. Dafür eignen sich im ersten Schritt die „Big-Five“ der Persönlichkeitseigenschaften.
Inwiefern sind folgende fünf Faktoren bei deinen einzelnen Sportler*innen ausgeprägt:
  1. Extraversion: von zurückhaltend und reserviert zu gesellig.
  2. Emotionale Stabilität: von verletzlich über emotional zu selbstsicher.
  3. Offenheit (für Erfahrungen): von konservativ, vorsichtig bis hin zu erfinderisch und neugierig.
  4. soziale Verträglichkeit: von wettbewerbsorientiert und antagonistisch zu kooperativ, freundlich, mitfühlend.
  5. Gewissenhaftigkeit: von unbekümmert und nachlässig bis hin zu effektiv und organisiert.

Ich habe dafür eine Vorlage erstellt, mit welcher du dir – auf Basis deiner Gedanken und Notizen zu deinen einzelnen Sportler*innen – ein Gesamtbild der Persönlichkeitsausprägung bilden kannst. Idealerweise bindest du im Anschluss eine Selbstreflexion ein, um dir konkrete Beispiele zu überlegen, wie du deine individuelle Ansprache adaptierst. Durch welche konkrete Veränderungen kann ich den individuellen Zugang zu meinen Sportler*innen noch persönlicher, stärkender und somit leistungssteigender gestalten?

 

Für die, die mehr möchten und mit ihren Sportler*innen einen Test durchführen wollen (vorausgesetzt, die Sportler*innen sind dafür bereit) oder auch für die Entdeckung der eigenen Persönlichkeitsmerkmale, empfehle ich folgende Tests: 
https://www.123test.com/de/Persönlichkeitstest/
https://www.plakos.de/big-five/

 

Aber Achtung: In der Psychologie finden diese Persönlichkeitstests Anwendung, um die Charaktereigenschaften eines Menschen zu erforschen und zu stärken. Die Persönlichkeit deiner Sportler*innen sollte jedoch nicht nur auf die fünf grundlegenden Eigenschaften der Big Five reduziert werden. Sie sollten dir als Trainer*in lediglich ein grobes Bild vermitteln, sodass du deinen individuellen Umgang mit deinen Sportler*innen finden bzw. dementsprechend anpassen kannst. Des Weiteren sollten auch immer – egal, ob die Einschätzung aus der persönlichen Beobachtung erfolgt oder ein Testergebnis vorliegt –  weitere Meinungen und Einschätzungen einbezogen werden – sei es aus dem Trainerteam, den Eltern und/oder auch durch die Selbsteinschätzung der Sportler*innen selbst.

 

Du hast Fragen oder suchst nach Unterstützung? Nehme gerne Kontakt mit mir auf: info@erfolgdurchbegeisterung.de